Naturschutz zum Anfassen

Ob bei der Hecke, auf der Alp oder am Weiher: Freiwillige packen an, um gefährdete Lebensräume zu schützen und die Biodiversität zu stärken.

Im Herbst beginnt die Zeit der Heckenpflege. Dann haben die Jungvögel ihre Nester dort verlassen und die Vegetation bereitet sich auf die Winterruhe vor. In vielen Regionen sind nun Gruppen von Menschen unterwegs, die Sträucher zurückschneiden, Äste und Totholz entfernen und das Material zu Haufen schichten. Was auf den ersten Blick nach professioneller Gartenpflege aussieht, ist oft ehrenamtliches Engagement: Freiwillige, die einen Tag lang mit anpacken, um einen Beitrag zum Naturschutz zu leisten. Wie bei solchen Einsätzen üblich, erhalten sie Verpflegung und Werkzeug, einen Transport vom Treffpunkt zum Einsatzort sowie Einblicke in ökologische Zusammenhänge – und haben dabei Gelegenheit, Gleichgesinnte kennenzulernen.

Hecken als Lebensraum erhalten

Warum Hecken nicht einfach sich selbst überlassen werden können, erklärt Lucas Lombardo, Projektleiter Artenförderung bei BirdLife Schweiz: «Ohne Heckenpflege breiten sich schnell wachsende Sträucher aus und verdrängen langsam wachsende Arten, die Licht brauchen.» Durch gezielte Pflege entstehen lichte Abschnitte, die ideal für viele Insekten sind. Diese bilden die Nahrungsgrundlage für typische Heckenvögel wie den Neuntöter oder die Dorngrasmücke. In den Ast- und Holzhaufen wiederum finden Igel, Wiesel und andere Kleinsäuger sowie Amphibien und Reptilien Nahrungsquelle, Unterschlupf und einen Ort zum Überwintern. «Die Heckenpflege trägt entscheidend zur Artenvielfalt bei», sagt Lucas Lombardo.

Freiwillige spielen auch sonst eine wichtige Rolle beim Schutz einheimischer Arten. Eine wichtige Aufgabe ist das Entfernen invasiver Pflanzenarten wie Einjähriges Berufkraut, Nordamerikanische Goldruten oder Armenische Brombeere, die einheimische Pflanzen verdrängen. Pro Natura Seeland engagiert sich an mehreren Standorten in diesem Bereich, sagt Vorstandsmitglied Michael Clerc: «Invasive Neophyten werden sorgfältig ausgejätet – entweder ausgerissen oder mit Hacken mitsamt Wurzel ausgegraben.» Für diese Arbeit sucht der Verein auch Freiwillige, die mit anpacken und die Organisation der Einsätze übernehmen.

Der Beitrag erschien in der Beilage «Herbst» von Tamedia und kann hier nachgelesen werden: Naturschutz